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Interview mit Manuela Eggimann & Barbara Abiriga

Head of Communications im Jobsharing

   

"Noch immer sind Jobsharing-Vakanzen eine Rarität und das muss sich ändern. Für uns. Für unsere Kinder. Für den Wirtschaftsstandort Schweiz."




Könnt ihr Euch beide kurz vorstellen?

Barbara: Seit mehr als 10 Jahren arbeite ich im Bereich Kommunikation & Marketing und konnte Erfahrungen in verschiedenen Branchen sammeln. Ich habe mehrere Ausbildungen im Bereich Kommunikation absolviert und arbeite seit Dezember 2014 bei einem IT-Unternehmen in Baden als Head of Communications. Seit März 2014 bin ich stolzes Mami von einem Bub und seit September 2016 von Zwillings-Mädchen.

 

Manu: Manuela Eggimann, ich arbeite seit über 10 Jahren in einem IT-Unternehmen in Baden mit rund 200 Mitarbeitenden und seit über 15 Jahren im Bereich Kommunikation. Seit 2012 bin ich als Head of Communications tätig und bin eidg. dipl. Kommunikationsleiterin. Ich habe eine zweijährige Tochter und seit September 2016 einen Sohn.

 

Ihr arbeitet im Jobsharing, wie habt ihr Euch gefunden?

Manu: Kurz bevor ich 2014 das erste Mal in den Mutterschutz ging, bekamen wir grünes Licht, dass ich nach meiner Rückkehr als Head of Communications im Jobsharing weiterarbeiten kann. Unser CEO hatte diese Modell vorgeschlagen, da seine Gattin auch zu 60% in einer Führungsposition im Jobsharing tätig ist. Dass ich aus zahlreichen Bewerber/innen meine/n Wunschkandidaten/in aussuchen durfte, trug wesentlich zum Erfolg bei. Wenn man so eng zusammenarbeitet, muss die Chemie stimmen. Als ich Barbara kennenlernte war für mich klar: die ist es! :)

 

Barbara: Ich habe mehrere Jahre in einem Grosshandelsunternehmen gearbeitet. Nach meinem Mutterschaftsurlaub 2014 war klar, dass ich eine neue Herausforderung brauchte. Leider sind 60% Stellen im Bereich Kommunikation nicht sehr weit verbreitet. Als ich dann das Stelleninserat sah, hab ich mich darauf beworben und einen Tag darauf erhielt ich bereits die Einladung zum Vorstellungsgespräch. Das Aufgabengebiet, die Chance ein Jobsharing als Head of Communications anzutreten und Manu mit ihrem Team haben mich gleich überzeugt.

 

Wie lange arbeitet ihr schon im Jobsharing?

Barbara: Ich übernahm ab Dezember 2014 als Manu schon im Mutterschutz war. Anfang April 2015 hatten wir dann unseren ersten gemeinsamen Arbeitstag.

 

Was waren wichtige Fragen und Themen, die ihr zu Beginn erstmals klären musstet?

Manu: Als ich zurückkehrte hatten wir genau 3 Monate Zeit um das komplette Rebranding unseres Unternehmens umzusetzen. Da blieb nicht viel Zeit für Fragen, wir legten sofort los und es klappte erstaunlich gut. Was uns etwas zu schaffen machte war, dass wir organisatorisch an zwei unterschiedliche Vorgesetzte rapportierten. Die unterschiedlichen Wünsche und Meinungen zu harmonisieren und umzusetzen kostete Zeit und Effizienz. In der heissen Phase des Projekts und bis wir ein eingespieltes Team waren, waren Barbara und ich in täglicher telefonischer Abstimmung.

 

Barbara: Leider wurde bei Manus Rückkehr die Organisation etwas angepasst - eine von uns sollte den Bereich Marketing übernehmen, die andere den Bereich Kommunikation. Wer was übernahm, durften wir selber klären. Da ich die komplexe Welt der IT und deren Produkte zu diesem Zeitpunkt noch zu wenig kannte und die Zeit aufgrund des Rebrandings drängte, erklärte sich Manu bereit den Themenbereich Marketing zu betreuen, während ich mich dem Bereich Kommunikation widmen konnte. Auch wurden wir organisatorisch zwei verschiedenen Vorgesetzten angehängt, was die Abstimmung nicht ganz so einfach machte.

 

Wie sieht euer Jobsharing ganz praktisch aus?

Manu: Ich arbeite Montag, Mittwoch und Donnerstag. An Freitagen und ausserhalb der Bürozeiten sind wir beide natürlich telefonisch erreichbar, wie es sich in der Kommunikationsdisziplin gehört. Zwei überschneidende Arbeitstage zu haben hat sich für uns bewährt. Wir sind dadurch effizienter, können uns besser abstimmen und schneller entscheiden. Zu Beginn des Jobsharings arbeiteten wir 60%, erhöhten dann auf 70% aufgrund des steigenden Workloads.

 

Barbara: Ich bin jeweils Montag bis Mittwoch im Büro. Am Montag haben wir jeweils unser Teammeeting, an dem wir uns austauschen und erfahren, wer an welchen Projekten arbeitet. Bei Kapazitätsengpässen oder Abwesenheiten helfen wir uns gegenseitig aus.

 

In welcher Hinsicht tickt ihr ähnlich? Wo unterscheidet ihr euch?

Manu: Wir arbeiten beide gerne exakt und strukturiert, haben fast das gleiche Arbeitstempo. Wir bringen den gleichen Skill-Rucksack mit und sind auch punkto Know-how auf dem gleichen Level. Trotzdem ergänzen wir uns gegenseitig auch sehr gut: Da ich schon lange in der IT bin, bin ich in der Produktewelt etwas tiefer verankert. Während Barbara mehr praktische Erfahrung im Umgang mit den Medien mitbringt und neue Denkanstösse aus anderen Branchen beisteuert. Und nicht zu vergessen die persönliche Ebene: Barbara ist mein diplomatischer Ruhepol, wenn ich im ersten Moment bei gewissen Dingen zur Emotionalität neige. ;)

 

Barbara: Manu hat dazu schon alles gesagt :-) Toll ist, dass wir oft derselben Meinung sind wie wir eine Herausforderung oder ein Projekt lösen können. Und während ich in hektischen Zeiten eher schneller aus der Ruhe bin, ist Manu in dieser Zeit mein Ruhepol, der sich durch nichts aus der Fassung bringen lässt.

 

Was sind die größten Vorteile, vielleicht aber auch Herausforderungen für eure Kollegen und Vorgesetzten

Barbara: Unsere Vorgesetzten haben sicher zwei top motivierte Mitarbeiterinnen erhalten, die auch bereit sind, ausserordentlichen Einsatz zu leisten um die Projektziele zu erreichen. Als einzige Jobsharing-Mitarbeiterinnen im Unternehmen haben wir hoffentlich auch gezeigt, dass das Modell funktioniert und so den Grundstein Unternehmen gelegt, weitere Positionen im Jobsharing anzubieten.

 

Manu: Für unsere Kollegen war es sicher am Anfang eine Herausforderung sich zu merken, wer jetzt für welches Aufgabengebiet oder Projekt zuständig ist. Wir haben aber nie jemanden "anrennen" lassen, durch unsere sorgfältige Abstimmung konnten wir in den meisten Fällen sogleich weiterhelfen. Für unsere Vorgesetzten war es trotz der postiven Erfahrung aus dem Privatbereich sicher nicht einfach, sich auf das Experiment einzulassen, kursieren doch noch immer diskriminierende Vorurteile über das Modell Jobsharing was Leistungswille, Engagement, Kosten-Nutzen oder bei Frauen der Arbeitsausfall aufgrund kranker Kinder anbelangt. Wir sind stolz, dass wir von unseren Vorgesetzten die Chance bekamen, alle diese Vorurteile zu entkräften.

 

Wenn Sie den Unternehmen in der Schweiz eine Botschaft sagen könnten, wie würde die im Bezug auf Jobsharing heissen?

Barbara: Lassen Sie sich auf das Abenteuer Jobsharing ein. Die Schweiz hat viele sehr gut ausgebildete Personen, die gerne arbeiten würden, es aber aufgrund des mangelnden Angebotes an Teilzeit- oder Jobsharing-Stellen nicht können. Sie erhalten im Gegenzug top motivierte Mitarbeiter, die es Ihnen mit einer hervorragenden Leistung und ausserordentlichem Einsatz danken werden.

 

Manu: Leisten Sie Pionierarbeit und schaffen Sie Jobsharing-Stellen für Mitarbeitende 2.0. Sie werden es nicht bereuen, denn solche Perlen wie uns gibt es tausende im Arbeitnehmermeer, Sie müssen nur die Angel auswerfen und schon beisst doppeltes Know-how an. Noch immer sind Jobsharing-Vakanzen eine Rarität und das muss sich ändern. Für uns. Für unsere Kinder. Für den Wirtschaftsstandort Schweiz.


Ich danke Manuela Eggimann und Barbara Abiriga für das spannende Interview.  13.02.2017, S. Müller